Die Region Schweinfurt steht – wie viele andere Kommunen – unter erheblichem finanziellem Druck. Die Ausgaben steigen, während Einnahmen stagnieren oder wegbrechen, und der Sanierungsbedarf in Schulen, Gebäuden und Infrastruktur wächst weiter. In einer solchen Situation kann nicht jedes Projekt sofort umgesetzt werden und viele Vorhaben müssen realistischer geprüft werden als früher. Für uns heißt das jedoch nicht, weniger zu fordern. Es bedeutet vielmehr, klar zu benennen, was politisch notwendig ist, und Prioritäten so zu setzen, dass Lebensqualität und sozialer Zusammenhalt gesichert bleiben. Wir sagen deutlich, wofür wir stehen – und welche Entwicklungen wir für Schweinfurt und das Umland einfordern.
Lebensqualität entsteht dort, wo Menschen ihren Alltag gestalten.
Teure Prestigeprojekte helfen wenig, wenn gleichzeitig Schulen bröckeln, Wege unsicher sind oder Stadtteile ihre Treffpunkte verlieren. Deshalb fordern wir, dass Schweinfurt jährlich eine verbindliche Prioritätenliste mit kleinen, aber wirksamen Maßnahmen vorlegt. Dazu gehören barrierearme Übergänge, Sitzgelegenheiten, mehr Bäume und Schatten, sichere Fuß- und Radverbindungen und die Aufwertung von Spiel- und Bewegungsflächen. Solche Maßnahmen kosten vergleichsweise wenig, entfalten aber eine große Wirkung im Alltag. Ein zentrales Anliegen ist für uns der Erhalt sämtlicher Stadtteiltreffs, Jugendräume und Familienzentren – von WOODZ am Bergl über das FränZ und das kom,ma bis hin zum StudyFab und zum Haus der Familie. Diese Orte sind unverzichtbar, weil sie Begegnung ermöglichen, Gemeinschaft schaffen und Einsamkeit vorbeugen. In manchen Stadtteilen braucht es sogar zusätzliche Räume, damit Menschen sich treffen, beraten lassen oder sich austauschen können. Wir setzen uns dafür ein, diese Strukturen nicht weiter auszudünnen, sondern ihre Zukunft abzusichern. Eine übergeordnete Koordination könnte Zugänge vereinfachen und die Zusammenarbeit stärken. Eine lebenswerte Stadt braucht funktionierende Quartiere – nicht noch weitere Prestigevorhaben, die am Ende mehr kosten als nutzen. Uns ist eine Stadtplanung wichtig, die von Anfang an auf die Erfahrungen der Menschen im jeweiligen Stadtteil setzt. Wer dort lebt, sieht genau, wo Wege unsicher sind, welche Flächen ungenutzt bleiben oder an welchen Stellen Angebote fehlen. Daher fordern wir verbindliche Beteiligungsformate in allen Stadtteilen, damit Entscheidungen nachvollziehbar, gerecht und nah an den tatsächlichen Bedürfnissen getroffen werden. Eine gute Stadtpolitik entsteht nicht hinter verschlossenen Türen, sondern im Austausch mit denjenigen, die vom Ergebnis betroffen sind.
Innenstadt und Stadtteile lebensnah entwickeln.
Eine lebendige Innenstadt ist kein Luxusprojekt, sondern Grundlage für Alltag, Begegnung und Versorgung vieler Menschen in Schweinfurt. Statt neuer Einzelhandelskonzepte brauchen wir eine Stadtentwicklung, die Leerstände, Wohnen, Kultur und soziale Infrastruktur zusammendenkt. Deshalb setzen wir auf Zwischennutzungen für leer stehende Gebäude und Ladenflächen – etwa für gemeinwohlorientierte Initiativen, Kulturprojekte, Start-ups oder Bildungsangebote – statt Flächen für spekulative Nutzung zu eröffnen. Wo Geschäfte dauerhaft nicht mehr gebraucht werden, wollen wir die Umwandlung in Wohnraum, soziale Einrichtungen oder öffentliche Aufenthaltsflächen erleichtern. Aufenthaltsqualität heißt für uns: mehr Sitzgelegenheiten, Schatten, Trinkbrunnen, öffentliche Toiletten, sichere und barrierefreie Wege und gepflegte Grünflächen – nicht nur in der Innenstadt, sondern in allen Stadtteilen. So werden Plätze wieder zu Orten, an denen Menschen sich gerne aufhalten, statt sie nur zu durchqueren. Gerade bei knappen Kassen hat die Aufwertung des Bestehenden Vorrang vor neuen Prestigeprojekten.
Sicherheit, Sauberkeit und sozialer Zusammenhalt.
Viele Menschen machen sich Sorgen um Sauberkeit und Sicherheit im öffentlichen Raum – auf Plätzen, in Parks, in Bussen oder an Haltestellen. Wir nehmen diese Sorgen ernst, ohne auf einfache „Law-and-Order“-Parolen zu setzen. Unser Ansatz ist klar: Sicherheit entsteht durch gute Beleuchtung, gepflegte Orte und verlässliche soziale Angebote, nicht durch noch mehr Kontrolle und Verdrängung. Statt neue Verbote zu verhängen, wollen wir Stadtteilarbeit, Jugend- und Streetwork ausbauen und besser koordinieren. Konflikte im öffentlichen Raum sollen frühzeitig aufgegriffen und gemeinsam mit Anwohnenden, Jugendlichen, Gewerbetreibenden und Vereinen bearbeitet werden – etwa in Stadtteilkonferenzen oder Runden Tischen. Ein respektvoller Umgang miteinander und eine verlässliche Präsenz von Ansprechpersonen vor Ort sind für uns wirksamer als teure Symbolpolitik.
Je knapper die Mittel, desto wichtiger ist Transparenz.
Menschen wollen nachvollziehen können, warum bestimmte Projekte vorgezogen werden, andere warten müssen oder gar nicht mehr stattfinden. Deshalb fordern wir eine verständliche und öffentlich zugängliche Darstellung der Haushaltslage, die klar zwischen Pflichtaufgaben, freiwilligen Leistungen und politischen Prioritäten unterscheidet. Bürgerinnen und Bürger müssen erkennen können, wo finanzielle Mittel gebunden sind und welche Spielräume tatsächlich bestehen. Gleichzeitig setzen wir uns für eine frühzeitige und verbindliche Beteiligung der Menschen bei allen größeren städtischen Vorhaben ein. Projekte dürfen nicht erst präsentiert werden, wenn sie im Grunde schon entschieden sind. Stadtteilwerkstätten, Informationsgespräche und digitale Beteiligungsangebote stellen sicher, dass Ideen, Kritik und Wissen rechtzeitig in Entscheidungen einfließen. Das erhöht nicht nur das Vertrauen, sondern verbessert auch die Qualität der politischen Arbeit. Außerdem fordern wir klare Kriterien, anhand derer Entscheidungen im Haushalt getroffen werden. Für uns stehen dabei der soziale Nutzen eines Projekts, seine ökologische Wirkung und sein Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt im Mittelpunkt. Werden diese Kriterien öffentlich und nachvollziehbar angewendet, wird Politik überprüfbarer – und ehrlicher. Dazu gehört auch die Offenlegung aller geprüften Varianten bei größeren Projekten sowie regelmäßige und verständliche Berichte zur Haushaltslage, damit problematische Entwicklungen frühzeitig sichtbar werden und noch korrigiert werden können. Transparenz ist kein Selbstzweck, sondern eine Investition in Vertrauen. In Zeiten, in denen Entscheidungen schwieriger werden, braucht es offene Information und nachvollziehbare Prioritäten. So entsteht eine glaubwürdige Basis für die Politik in unserer Stadt und Region.