Schweinfurt ist eine vielfältige Stadt, und damit diese Vielfalt zur Stärke wird, muss Integration aktiv, alltagsnah und verlässlich gestaltet werden. Für uns bedeutet das, dass alle Menschen – unabhängig von Herkunft, Sprache, Alter oder sozialer Lage – Schweinfurt als gemeinsame Heimat und Lebensmittelpunkt erleben können. Integration entsteht dort, wo Menschen sich begegnen: in Kitas und Schulen, in Sportvereinen, in Nachbarschaftsräumen und bei lokalen Kulturangeboten. In Stadtteilen wie dem Nordwestlichen Stadtteil, dem Bergl oder Teilen des Deutschhofs zeigt sich besonders deutlich, wie wichtig verlässliche Quartiersarbeit ist. Dort leben viele junge Menschen, Familien und Menschen mit internationaler Geschichte auf engem Raum – genau hier braucht es feste Anlaufstellen, mehrsprachige Informationen und gut erreichbare Beratungsangebote. Schweinfurt zählt seit Jahren zu den vielfältigsten Städten Unterfrankens; Integration ist deshalb kein Randthema, sondern ein zentraler Bestandteil moderner Stadtentwicklung. Wir setzen uns für stabile, niedrigschwellige Strukturen ein, die Begegnung, Unterstützung und Bildung verbinden. Diese Einrichtungen müssen dauerhaft gesichert werden, denn sie leisten einen wesentlichen Beitrag zum sozialen Zusammenhalt – gerade in Zeiten knapper Ressourcen. Angebote, die Orientierung und Teilhabe ermöglichen, dürfen nicht aus Spargründen gefährdet werden. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Verständlichkeit städtischer Kommunikation. Mehrsprachige und leicht zugängliche Informationen sollen zum Standard werden, damit alle Menschen nachvollziehen können, worum es geht und wie sie sich einbringen können. Ebenso wichtig ist eine bessere Koordination zwischen Schulen, Kitas, Vereinen und sozialen Einrichtungen, um Familien frühzeitig zu erreichen und zu unterstützen. Integration gelingt dort am besten, wo Zusammenarbeit verlässlich funktioniert und Angebote offen und gut erreichbar sind. Wir wollen eine Stadt, in der Vielfalt nicht als Problem, sondern als Realität und Stärke verstanden wird. Integration ist keine freiwillige Aufgabe für gute Haushaltsjahre, sondern eine grundlegende Voraussetzung für sozialen Zusammenhalt und Stabilität in Schweinfurt.
Gleiche Ausgangsbedingungen sind die Grundlage einer gerechten Integrationspolitik.
Politik und Wirtschaft müssen Verantwortung übernehmen und konkrete Maßnahmen zur Chancengleichheit umsetzen. Dazu gehört der konsequente Abbau von Zugangsbarrieren zum Arbeitsmarkt sowie zu Bildung und Ausbildung. Gleichzeitig müssen gezielte Fördermaßnahmen wie Qualifizierung und berufliche Weiterbildung gestärkt werden. Die wichtigste Grundlage gelingender Integration ist eine sichere Lebensperspektive durch Arbeit, Ausbildung und Bildung. Sie gehören zu den elementaren Voraussetzungen gesellschaftlicher Teilhabe, für deren Verwirklichung Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam Verantwortung tragen. Echte Chancengleichheit entsteht nur dann, wenn alle Menschen unabhängig von Herkunft, Sprache oder sozialer Lage die gleichen Zugänge zu Bildung und Förderung haben. Statt Leistungsdruck und Auslese braucht es eine Politik, die individuelle Förderung in den Mittelpunkt stellt – von der Kita bis zur Schule. Wir fordern den konsequenten Ausbau von Kindertageseinrichtungen, in denen die Sprachentwicklung und die Mehrsprachigkeit der Kinder gleichwertig gefördert werden. Bildung beginnt mit der Wertschätzung kultureller Vielfalt. Dafür werden gut ausgebildete pädagogische Fachkräfte benötigt, die sensibel mit kulturellen Unterschieden umgehen. Schweinfurt gehört seit Jahren zu den Regionen mit besonders hoher Kinderarmutsquote. Kinderarmut ist kein Randphänomen, sondern ein Angriff auf ihre Zukunftschancen – und damit auf den sozialen Zusammenhalt. Wir wollen, dass kein Kind in Schweinfurt und im Landkreis von Bildungs- oder Freizeitangeboten ausgeschlossen wird, nur weil das Geld fehlt. Deshalb setzen wir uns kommunal für kostenfreie oder stark vergünstigte Mittagessen an Schulen und Kitas, Lernmittelzuschüsse, kostenlose oder sehr günstige Nutzung von Bibliotheken, Schwimmbädern und Sportangeboten für Kinder und Jugendliche mit wenig Geld ein. Ferienprogramme, Hausaufgabenhilfe und offene Treffpunkte müssen gerade in benachteiligten Stadtteilen ausgebaut statt zusammengestrichen werden. Die Schule ist ein zentraler Ort kommunaler Integrationspolitik. Als Schulträger trägt die Stadt Schweinfurt eine unmittelbare Verantwortung dafür, dass alle Kinder – unabhängig von Herkunft oder sozialer Lage – gleiche Bildungschancen erhalten. Dafür braucht es gut ausgestattete Schulen, ausreichend Personal sowie verbindliche Sprachförderangebote über den gesamten Schulverlauf hinweg. Wir fordern den gezielten Ausbau von Schulsozialarbeit, multiprofessionellen Teams und zusätzlichen Förderstunden, insbesondere an Schulen in sozial benachteiligten Stadtteilen. Integration darf nicht an Übergängen scheitern – weder beim Wechsel von der Kita in die Grundschule noch beim Übergang in weiterführende Schulen. Deshalb setzen wir uns für eine verbindliche, strukturierte Zusammenarbeit zwischen Kitas, Schulen, Jugendhilfe und Beratungsstellen ein. Die Kommune muss hier koordinierend eingreifen, Netzwerke stärken und sicherstellen, dass kein Kind aufgrund fehlender Unterstützung zurückgelassen wird. Schule muss ein Ort sein, an dem Vielfalt anerkannt, gefördert und als Stärke begriffen wird. Dafür braucht es klare kommunalpolitische Prioritäten und eine verlässliche Finanzierung. Nach der Schule darf Integration nicht aufhören. Ausbildung ist ein zentraler Schlüssel zur gesellschaftlichen Teilhabe. Deshalb müssen Bildungswege und Berufsorientierung so gestaltet werden, dass sie unterschiedlichen Lebensrealitäten gerecht werden und vorhandene Kompetenzen sichtbar machen. Zielgruppengerechte Informations- und Auswahlverfahren können dazu beitragen, Jugendlichen mit Einwanderungsgeschichte den Zugang zu Ausbildung und Beruf zu erleichtern, ohne zusätzliche Hürden aufzubauen. Wir setzen uns für gezielte Initiativen ein, um den Anteil junger Menschen mit Einwanderungsgeschichte – insbesondere im öffentlichen Dienst – zu erhöhen.
Ein gerechter Zugang zum Arbeitsmarkt ist unverzichtbar.
Alle Menschen, die in Deutschland leben, müssen faire Chancen auf Arbeit haben. Bürokratische und gesetzliche Barrieren müssen abgebaut werden. Geflüchtete und Asylsuchende brauchen unbürokratische Zugänge zum Arbeitsmarkt, begleitet von Sprach- und Qualifizierungsangeboten, die Teilhabe ermöglichen, statt sie aufzuschieben. Auch die Kommunen stehen in der Verantwortung: Sie müssen Vorbilder sein – als Arbeitgeberinnen, als Gestalterinnen, als Motoren einer offenen Gesellschaft. Daher fordern wir:
• eine echte interkulturelle Öffnung aller öffentlichen Dienste.
• Fortbildungen zu Diversität für Verwaltung, Polizei, Schulen und Kitas.
• den Ausbau von Antidiskriminierungsstellen mit Rechtsberatung. • mehr Einfluss und Mitbestimmung für Integrationsbeiräte.
• Orte der Begegnung, an denen Menschen unterschiedlicher Herkunft miteinander ins Gespräch kommen, voneinander lernen und Vertrauen aufbauen können.
Integration lebt von Teilhabe – auch politisch. Auf kommunaler Ebene erleben Menschen Demokratie unmittelbar: in Stadtteilen, Vereinen, Beiräten und Bürgerbeteiligung. Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass alle Menschen, die hier leben, politisch mitbestimmen können. Zwar liegt die Einführung eines kommunalen Wahlrechts unabhängig von der Staatsangehörigkeit nicht in der Entscheidungshoheit der Städte und Gemeinden. Kommunen können und müssen jedoch politisch Stellung beziehen, Resolutionen verabschieden und den Druck auf Landes- und Bundesebene erhöhen. Demokratie darf nicht am Pass enden. Der Umgang mit der wachsenden Vielfalt in unserer Gesellschaft entscheidet über unsere gemeinsame Zukunft. Nur durch Zusammenhalt, Gerechtigkeit und Solidarität können wir den Kräften entgegentreten, die mit Angst und Hass spalten wollen.
Begegnung statt Abschottung
Statt Menschen im ANKER-Zentrum von der Umgebung abzuschotten, setzen wir auf mehr Begegnung und Transparenz. Studien und Erfahrungen aus anderen Regionen zeigen, dass große Lagerstrukturen Spannungen erzeugen, wenn Kontakte zur Bevölkerung fehlen und Geflüchtete über lange Zeit isoliert werden. Chancengleichheit, soziale Gerechtigkeit und bürgerschaftliche Verantwortung sind nicht verhandelbar. Lassen wir uns nicht durch Rassismus, Diskriminierung oder Ausgrenzung spalten. Setzen wir dem Rechtsruck Mut entgegen – mit Menschlichkeit, Teilhabe und einer klaren Haltung für Gleichberechtigung.