Gesundheit und Pflege stehen auf kommunaler Ebene unter erheblichem Druck. Gleichzeitig trägt die öffentliche Hand Verantwortung, die Versorgung vor Ort bedarfsorientiert, zukunftsfähig und am Gemeinwohl ausgerichtet mitzugestalten. Öffentliche Einrichtungen dürfen dabei nicht primär wirtschaftlichen Interessen folgen, sondern müssen sich an den Bedürfnissen der Menschen orientieren.
Unsere Gesundheit darf nicht vom Profit beherrscht werden.
Besonders im Bereich der Pflege ist der Handlungsbedarf groß. Die Situation bei den Kurzzeitpflegeplätzen ist angespannt, und vor allem im Landkreis Schweinfurt ist es schwierig, kurzfristig geeignete Pflegeangebote zu finden. Angesichts einer alternden Gesellschaft braucht es einen weiteren Ausbau der Pflegeangebote. Alternative Pflege- und Wohnformen wie betreutes Wohnen sollten gefördert werden, um ein möglichst langes selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Der Personalmangel ist eines der zentralen Probleme im Pflegebereich. Um ihm wirksam zu begegnen, braucht es bessere Arbeitsbedingungen und eine verlässliche Bezahlung. Ein allgemein verbindlicher Flächentarifvertrag würde faire Löhne sichern – unabhängig vom jeweiligen Träger. Das würde nicht nur die Attraktivität des Berufs steigern, sondern auch den Konkurrenzdruck zwischen öffentlichen, privaten und kirchlichen Trägern entschärfen. Notwendig sind deutlich höhere verbindliche Personalschlüssel, ihre konsequente Einhaltung sowie der Abbau unnötiger Bürokratie, etwa durch eine durchgehend digitale Dokumentation. Gute Pflege darf nicht an Zuständigkeitsgrenzen scheitern – auch wenn viele Entscheidungen auf Landes- und Bundesebene getroffen werden, muss die Kommune hier klar Position beziehen und politischen Druck aufbauen. Die medizinische Versorgung im Landkreis Schweinfurt steht unter wachsendem Druck. Der Einsatz medizinisch qualifizierter Pflegefachkräfte, die in enger Zusammenarbeit mit den Hausärzten arbeiten, kann Praxen entlasten, etwa bei Hausbesuchen für ältere Menschen und chronisch Erkrankte. Der Ausbau und Erhalt von kommunalen Medizinischen Versorgungszentren (MVZ), insbesondere in kleineren Städten oder ländlichen Gemeinden, kann dazu beitragen, medizinische Angebote zu bündeln und den Zugang zu fachärztlicher Versorgung zu erleichtern. Kliniken und Praxen müssen erhalten bleiben, um eine wohnortnahe medizinische Versorgung im Landkreis zu gewährleisten. Die psychische Gesundheitsversorgung im Landkreis Schweinfurt ist bislang unzureichend. Der Ausbau von Beratungsangeboten sowie unterstützenden Koordinationsstrukturen kann dazu beitragen, den Zugang zu geeigneten Hilfen zu erleichtern und Versorgungslücken zu schließen. Ein weiteres zentrales Thema ist die langfristige Gewinnung von Fachkräften im Gesundheitsbereich insgesamt. Neben Pflegekräften fehlen auch Fachärztinnen, Fachärzte sowie Therapeutinnen und Therapeuten. Um dem entgegenzuwirken, braucht es eine stärkere Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive sowie eine vereinfachte Integration internationaler Fachkräfte. Die Kommune kann hier durch bessere Vernetzung mit Schulen, Ausbildungsstätten und zuständigen Behörden dazu beitragen, frühzeitig Interesse an Gesundheits- und Pflegeberufen zu wecken und Vorurteile abzubauen. Selbsthilfeangebote im Gesundheitsbereich können für einzelne Menschen eine ergänzende Möglichkeit des Austauschs sein, ersetzen jedoch keine professionelle Beratung oder fachliche Versorgung. Die Kommune trägt hier keine inhaltliche Verantwortung, kann aber Orientierung unterstützen. Eine regelmäßig aktualisierte Informationsübersicht in Form einer Broschüre kann helfen, bestehende Angebote transparent darzustellen und zugleich klar auf professionelle Beratungs- und Versorgungsstrukturen hinzuweisen. Darüber hinaus wollen wir im Rahmen von „Die Linke hilft“ Menschen dabei unterstützen, sich im bestehenden Hilfesystem besser zurechtzufinden. Gerade im Bereich der ambulanten und palliativen Versorgung ist es für viele Menschen sehr herausfordernd, in einer ohnehin schwierigen Situation selbst den Überblick über Zuständigkeiten und Angebote zu behalten. Unsere Rolle verstehen wir dabei ausdrücklich nicht als Ersatz für professionelle Beratung, sondern als niedrigschwellige Unterstützung bei der Orientierung durch Verweise auf zuständige Anlaufstellen und Hilfsstrukturen.